Das Projekt „Camino Incluso – Pilgerweg Odenwald für alle“

Entstehung des Projekts

Es ist im Jahr 2014, wir sind in einer 8. Klasse der Stephen-Hawking-Schule, Neckargemünd, ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum für körperliche und motorische Entwicklung. Die Klassenfahrt steht an. „Will nichts, tu nichts, kann nix“, äußert ein Schüler und drückt eine Grundhaltung aus, die immer mal wieder in der Klasse zu spüren ist.

„Santiago de Compostela ruft“ – der Aufruf, sich auf einen Pilgerweg zu begeben, klingt wie eine Herausforderung, es stehen 5 Tage gemeinsam in unbekannter Gegend bevor. Mit dem Entschluss zu dieser Klassenfahrt ist das Projekt geboren: Informationen zum Pilgern werden zusammengetragen, Wege ausgewählt und erkundet, Unterkünfte erfragt und die Dinge bestellt oder hergestellt, die zum Pilgern nötig sind.

Am Ende bestehen die Schüler*innen die Herausforderung, und nehmen als Geschenke die überraschenden und kraftvollen Begegnungen mit fremden Menschen und der Natur mit nach Hause.

Für das Projekt erhält die Klasse einen Preis beim Schulwanderwettbewerb des Deutschen Wanderverbands „gemeinsam draußen unterwegs – Inklusives Pilgern durch den Odenwald“

Ein neuer Jakobsweg im Odenwald?

Das Projekt sucht Unterstützer*innen, sucht Anschluss bei den Jakobusvereinen, es gründet sich eine Regionalgruppe Odenwald innerhalb des Hessischen Jakobusvereins. Dort steht man dem Projekt nicht ablehnend aber doch skeptisch gegenüber. Im Rhein-Main-Neckargebiet lassen sich schließlich keine Orte mit Jakobswegtradition ausmachen. Bewegung kommt in das Projekt, als der Odenwaldklub die Erstausschilderung und die SRH- Stephen-Hawking-Schule die Wegpatenschaft 2019 übernimmt. Ein Antrag auf Förderung beim Sozialministerium wird bewilligt. Vielfältige Aufgaben kommen hinzu. Was die Schüler*innen in der Gruppe geschafft haben, muss nachbereitet, überprüft werden, damit auch andere sich auf den Weg machen können. Auf der einen Seite ist eine gute Infrastruktur vorhanden, barrierefrei sind die Bahnhöfe, mindestens eine Toilette und Unterkunft ist auf jeder Etappe rollstuhlgerecht, es gibt zwei als barrierefrei ausgewiesene Teilstrecken auf dem Weg. Auf der anderen Seite muss durch genaue Beschreibung eine Einschätzung des Wegs für alle möglich werden.

Für die Schüler*innen ergeben sich neue Arbeitsfelder, es wird ihr Projekt. Ein Arbeitsfeld u.a. ergibt sich aus den auf dem Weg eingerichteten Stempelstellen. Die Schüler*innen setzen sich mit den einzelnen Kirchen und den persönlichen Eindrücken und Begegnungen auseinander. Daraus entstehen Infobätter für Pilger*innen. Sie entwerfen Stempelmotive, stellen Stempel und Stempelkästen her, beschriften Pilgerbücher, erstellen Pilgerpässe und -Urkunden.

Das Projekt weitet sich aus, indem neue Kooperationspartner*innen dazukommen. Über ein halbes Jahr trifft sich mittwochs eine Gruppe von Schüler*innen mit dem Verein „Einfach Heidelberg“ und arbeitet in der Onlineredaktion an der Projektbeschreibung in Leichter Sprache.
Unterstützung kommt von vielen Seiten, oft ganz unbürokratisch, dazu.

Neue Kirchengemeinden kommen dazu, wichtige Anregungen, weitere Aufgaben, alle die den Weg gehen, sind dabei, erproben, geben Rückmeldung – ein offenes Projekt.